„Unverantwortliche UEFA“

Fußballverband plant Supercup-Spiel im Risikogebiet

Europas Fußballverband UEFA beharrt auf der Austragung des Supercup-Spiels des FC Bayern gegen den Europa-League-Sieger FC Sevilla. Das Spiel soll am Donnerstag, 24. September 2020, in Budapest stattfinden, das vom Robert-Koch-Institut wegen hoher Infektionszahlen zum Risikogebiet erklärt wurde.

Petra Kammerevert, sportpolitische Sprecherin der SPD-Europaabgeordneten:

"Es ist ignorant, Spieler und Fans dieser Gefahr auszusetzen. Die UEFA plant tatsächlich, 20.000 Fans im Stadion eines Risikogebiets zu versammeln. Zudem will sich der Verband darauf einlassen, dass Fans nach Belieben Viktor Orbáns für ein Fußballspiel aus bestimmten Staaten einreisen dürfen, für alle anderen aber faktisch ein Einreiseverbot mit Verweis auf Covid-19 gilt. Seit Anfang September habe ich die UEFA aufgefordert, ihre skandalöse Entscheidung zu revidieren, das in Porto ausgefallene Spiel am 24. September in Budapest nachzuholen. Schon damals war es unverantwortlich, in einer Stadt ein Fußballfest zu zelebrieren, in der der autokratische Regierungsführer Viktor Orbán die Reisefreiheit seiner Staatsbürgerinnen sowie der Europäer massiv einschränkt und existenzbedrohende Attacken gegen unabhängige Kultureinrichtungen in seinem Land fährt. Mit der steigenden Gefahrenlage in Budapest wird das Festhalten an dem UEFA-Pilotversuch zu einer Farce. Ich erwarte, dass sich die UEFA hierzu gegenüber dem Europäischen Parlament erklärt. Wie sich die Gefahrenlage aktuell entwickelt, hätte man mit dem Spiel auch in Porto bleiben können. Es steht zu befürchten, dass sich wegen des ignoranten Festhaltens der UEFA an diesem Spielort der Fußball alles andere als von seiner schönsten Seite zeigen wird."

Birgit Sippel, innenpolitische Sprecherin der SozialdemokratInnen im Europäischen Parlament:

"Das anstehende Supercup-Spiel führt uns die Dringlichkeit einer EU-weiten Koordinierung von Reisebeschränkungen nochmal deutlich vor Augen. Aus dem leider weiter bestehenden Flickenteppich der verschiedenen nationalen Maßnahmen stechen die Einschränkungen der ungarischen Regierung nochmal negativ heraus, da diese gegen die europäischen Grundsätze der Nichtdiskriminierung verstoßen. Dass die Orbán-Regierung für die Einreise von Fußballfans eine Ausnahme macht, demonstriert zudem, dass sie ihre Entscheidungen über Einschränkungen nicht auf Basis einer objektiven Datenlage trifft."

"Das undurchschaubare Labyrinth an Risikogebieten, roten Zonen, ungenügend begründeten Maßnahmen und uneinheitlichen Kriterien ist gerade in dieser Zeit eine zusätzliche Last für unsere Bürgerinnen und Bürger und unsere Wirtschaft. Daher erwarte ich von dem heute tagenden Rat für Allgemeine Angelegenheiten endlich eine klare Vorgabe, um die Reisebeschränkungen in der EU zu koordinieren. Die EU-Kommission hatte dafür bereits Anfang des Monats einen Vorschlag präsentiert, auf den sich die Mitgliedstaaten bisher jedoch nicht einigen konnten. Mit dieser Koordinierung könnten die EU-Staaten nicht nur Sicherheit und Vertrauen für unsere Bürgerinnen und Bürgern schaffen, sondern auch diskriminierende Maßnahmen, wie die der ungarischen Regierung, vermeiden."