„Nachhaltiger und so stabiler gestalten“

Welthandel nach Corona

Der globale Warenhandel könnte laut der Welthandelsorganisation in diesem Jahr um bis zu 32 Prozent einbrechen. Die EU-Kommission geht davon aus, dass der Handel in der EU zwischen bis zu 10 Prozent zurückgehen wird. Auf die Corona-Krise und die Krisenanfälligkeit des internationalen Handels antwortet der SPD-Europaabgeordnete und Vorsitzende des Handelsausschusses im Europaparlament, Bernd Lange, mit einem Diskussionspapier.

„Die Corona-Krise hat die Fragilität der globalen Wirtschaft auf brutale Art und Weise offengelegt. Der Zusammenbruch von Lieferketten ist auch eine Folge einer auf Kostenreduzierung und Effizienz reduzierten Globalisierung, die zu dramatischen einseitigen Abhängigkeiten geführt hat. Die Corona-Krise muss zu einem Neustart für eine faire Handelspolitik werden. Es ist überfällig, globale Prozesse stabiler zu gestalten. Der Weg führt von der reinen Kostenbetrachtung hin zu nachhaltigem Wirtschaften. Ein fataler Irrglaube ist allerdings die Vorstellung, man könnte jenseits der Globalisierung einen geschützten Raum schaffen und komplette Produktionsketten nach Europa oder gar Deutschland verlagern, wie es im vorletzten Jahrhundert war.“

„Die derzeit wiederaufkommenden nationalstaatlichen, egoistischen Reflexe führen in eine Sackgasse. Die Herausforderungen sind globaler Natur und können deshalb auch nur auf globaler Ebene angegangen werden. An einem multilateralen System führt kein Weg vorbei. Das bedeutet, dass wir an einem regelbasierten Handel auf Grundlage der WTO festhalten und diesen entsprechend modernisieren müssen.“ 

„Globale Lieferketten müssen diversifizierter und damit krisenfester gestaltet werden. Durch protektionistische Maßnahmen drohen allerdings eine weitere Segmentierung der Handelsbeziehungen und Handelskonflikte. Stattdessen sollten wir anhand klarer Kriterien festlegen, welche (Vor-)Produkte wir als systemrelevant einzustufen, etwa Medikamente oder Medizintechnik. Eine Rückverlagerung steigert für Produzenten und Konsumenten deutlich die Kosten und hat zudem einen Rückgang von Direktinvestitionen in Entwicklungsländer zur Folge. Ein Abkoppeln von Wirtschöpfungsketten oder Verlagerung von Produktionen hat unmittelbare Konsequenzen für die Lieferanten und deren Beschäftigte in weniger entwickelten Ländern. Wir brauchen eine ausgewogene Lösung, die alle Partner im Blick hat. Das ist der zentrale Bestandteil einer nachhaltigen Handelspolitik.“