18.05.2026

„Europa stärkt Schutzschild für Stahlindustrie“

EU-Parlament stimmt über Handelsinstrument gegen Dumping ab

Das Europäische Parlament wird morgen voraussichtlich grünes Licht für ein neues europäisches Handelsschutzinstrument gegen unfaire Praktiken auf dem globalen Stahlmarkt geben. Die neuen Regeln ersetzen die bisherigen Schutzmaßnahmen, die Ende Juni 2026 auslaufen. Vorgesehen sind strengere Maßnahmen gegen Billigimporte, schärfere Ursprungsregeln und schnellere Überprüfungen bei Marktverwerfungen.


Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses: 
„Es ist bereits fünf nach Zwölf. Die bisherigen Regeln waren schlichtweg überholt und damit wirkungslos. Die neuen Maßnahmen sind eine direkte Antwort auf die anhaltenden globalen Überkapazitäten sowie auf Dumpingimporte, die die europäische Stahlindustrie seit Jahren massiv unter Druck setzen. Unsere Unternehmen bekommen endlich den Schutz, den sie brauchen, um unter fairen Wettbewerbsbedingungen zu produzieren und zu investieren. 

Dabei geht es ausdrücklich nicht um Abschottung. Europa bleibt ein offener und verlässlicher Handelspartner. Aber Offenheit funktioniert nur mit fairen Wettbewerbsbedingungen. Als Parlament haben wir durchgesetzt, dass Europa künftig schneller reagieren kann, wenn neuer Druck auf einzelne Produktgruppen entsteht. Außerdem werden die zollfreien Importkontingente deutlich reduziert und Schlupflöcher geschlossen, damit Schutzmaßnahmen nicht einfach umgangen werden können.“


Jens Geier, Mitglied im Industrieausschuss des EU-Parlaments: 
„Das ist Rückenwind für eine Industrie, die gleichzeitig mitten in der Transformation hin zur Klimaneutralität steht. Die aktuelle Situation ist dramatischer denn je, weltweit sollen die Überkapazitäten in diesem Jahr auf 721 Millionen Tonnen anwachsen. Das entspricht mehr als dem Fünffachen des jährlichen Stahlverbrauchs der Europäischen Union. Europa braucht deshalb einen wirksamen Schutzschild für seine Stahlindustrie und ihre Beschäftigten.

Klar ist aber auch: Handelsschutz allein reicht nicht aus. Wenn Europa seine Stahlindustrie langfristig sichern will, brauchen wir wettbewerbsfähige Energiepreise, verlässliche Investitionsbedingungen und starke Leitmärkte für grünen Stahl.  Gerade Deutschland mit seinen Stahlstandorten, Häfen und energieintensiven Industrien hat ein großes Interesse an fairen Wettbewerbsbedingungen. Tausende Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an einer starken europäischen Stahlproduktion.“


Die neue Verordnung soll rechtzeitig vor dem Auslaufen der bisherigen Schutzmaßnahmen Ende Juni 2026 in Kraft treten, damit der neue Schutzrahmen ab dem 1. Juli 2026 nahtlos greift.