29.06.2026

„Der neue Schutzschild kommt gerade rechtzeitig"

Instrument für Stahlindustrie startet am 1. Juli

Ab Mittwoch, 1. Juli, gilt ein neues europäisches Handelsschutzinstrument gegen unfaire Praktiken auf dem globalen Stahlmarkt. Die neuen Regeln ersetzen die bisherigen Schutzmaßnahmen, die Ende Juni auslaufen. Vorgesehen sind deutlich strengere Maßnahmen gegen Billigimporte, schärfere Ursprungsregeln und schnellere Überprüfungen, wenn neuer Druck auf einzelne Produktgruppen entsteht. 


Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im Europäischen Parlament: 
"Es ist bereits fünf nach zwölf. Die bisherigen Regeln waren überholt und wurden von der Realität des Weltmarkts überrollt. Genau deshalb ist der neue Schutzschild richtig und notwendig. Aber das neue Instrument ist kein Ruhekissen und schon lange kein Allheilmittel sondern nur ein Teil der Antwort. Wer glaubt, dass Handelsschutz allein die Zukunft der europäischen Stahlindustrie sichert, macht es sich zu einfach. Wir brauchen jetzt eine industriepolitische Offensive. Dazu gehören wettbewerbsfähige Energiepreise, ein verlässlicher Industriestrompreis, schnellere Netze, starke Leitmärkte für grünen Stahl, klare Investitionsbedingungen und eine öffentliche Beschaffung, die klimafreundliche europäische Produktion gezielt stärkt. 

Wir schaffen jetzt ein Handelsschutzinstrument, das endlich Zähne hat. Der Schutzschild begrenzt zollfreie Importkontingente deutlich, schließt Schlupflöcher und erschwert Umgehungen über Drittstaaten. Das ist ein klares Signal an alle, die glauben, den europäischen Markt mit unfair produziertem Stahl fluten zu können. 

Dabei geht es ausdrücklich nicht um Abschottung. Europa bleibt ein offener und verlässlicher Handelspartner. Doch Offenheit funktioniert nur mit fairen Regeln. Das alte System hatte zu viele Lücken. Das neue Instrument zieht eine klare Grenze gegen unfairen Wettbewerb. Jetzt muss die Industriepolitik nachziehen.“

 

Jens Geier, Mitglied im Industrieausschuss des Europäischen Parlaments: 
„Der neue Schutzschild ist bitter nötig, um der gebeutelten europäischen Stahlindustrie Luft zu verschaffen. Es ist der erste Teil des lange geforderten Aktionsplans für Stahl und Metalle. Der Schild kommt zur richtigen Zeit. Die Lage ist dramatisch. Denn die weltweiten Überkapazitäten sollen laut OECD bis 2027 auf 721 Millionen Tonnen anwachsen, mehr als das Fünffache des jährlichen Stahlverbrauchs der Europäischen Union. Gleichzeitig steht die Branche mitten in der Transformation zur Klimaneutralität. 

Deshalb muss klar sein, dass diese neue Vereinbarung Rückenwind ist, aber weiterer Unterstützung bedarf. Wenn wir die Stahlindustrie in Europa halten wollen, brauchen wir faire Wettbewerbsbedingungen, bezahlbare Energie, gezielte Investitionen und echte Nachfrage nach grünem Stahl. Wer klimaneutrale Industrie will, muss auch dafür sorgen, dass sie in Europa produziert werden kann. 

Die nächsten Schritte müssen jetzt ohne Verzögerung kommen. Die EU-Kommission muss die neuen Regeln konsequent umsetzen und den Markt eng überwachen. Wenn neue Umgehungen, Marktverwerfungen oder zusätzlicher Druck auf Produktgruppen entstehen, muss Europa schnell nachsteuern. Dieser Schutzschild steht. Nun muss die EU-Kommission den passenden industriepolitischen Kurs liefern.“