12.05.2026

"Versorgung mit Medikamenten sicherstellen"

Verhandlungsteam einigt sich auf neues EU-Arzneimittelgesetz

Im Kampf gegen Engpässe bei wichtigen Medikamenten in der EU haben sich Unterhändler:innen in Brüssel auf Regeln geeinigt. Ein neues EU-Gesetz für kritische Arzneimittel soll die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger in der EU mit wichtigen Medikamenten sicherstellen.

Tiemo Wölken, gesundheitspolitischer Sprecher der Europa-SPD:

"Der sogenannte Critical Medicines Act ist ein wichtiger Schritt, um die Produktion kritischer Arzneimittel in Europa auszubauen, unsere strategische Autonomie zu stärken und gefährliche Abhängigkeiten von Drittstaaten zu reduzieren. Nach langen und intensiven Verhandlungen ist es gelungen, konkrete Anreize zu schaffen, um pharmazeutische Produktion zurück in die Europäische Union zu holen – unter anderem durch schnellere Genehmigungsverfahren.

Besonders wichtig ist, dass künftig ein klares 'Made in EU'-Kriterium bei der öffentlichen Beschaffung gelten soll. Öffentliche Aufträge sollen gezielt Anbieter bevorzugen, die kritische Arzneimittel und deren Wirkstoffe innerhalb der Europäischen Union herstellen. Vorrang müssen dabei Unternehmen haben, die den größten Teil ihrer Produktion in Europa angesiedelt haben.

Ebenso entscheidend war es, die Rolle von Patient:innen-, Verbraucher:innen- und weiteren Interessensvertretungen innerhalb der zuständigen Koordinierungsgruppe zu stärken. Durch verbindliche Konsultationen und einen strategischen Vorausschau-Mechanismus wird die EU künftig Risiken früher erkennen, Engpässe besser antizipieren und koordinierter handeln können.

Ich begrüße außerdem die Zusage der Mitgliedstaaten, Informationen über Notfallbestände aktiv auszutauschen und ihre Bevorratung besser zu koordinieren. Nationale Alleingänge dürfen nicht dazu führen, dass Arzneimittelknappheiten in anderen Mitgliedstaaten verschärft werden. Das ist ein zentraler Schritt hin zu einer widerstandsfähigeren und solidarischeren europäischen Arzneimittelversorgung."

Ausblick: Das EU-Parlament muss der Einigung noch final im Plenum zustimmen, bevor die Regeln in Kraft treten können.

Hintergrund: Bisherige Engpässe bei Medikamenten betreffen insbesondere ältere, patentfreie und generische Arzneimittel. Ihre geringen Gewinnmargen machen Investitionen in die Produktion unattraktiv. Gleichzeitig setzen die EU-Gesundheitssysteme verstärkt auf kostengünstige Generika, was die Anfälligkeit der Lieferketten erhöht. Viele kritische Medikamente werden von nur wenigen Herstellern produziert, häufig außerhalb der EU. Besonders hoch ist die Abhängigkeit von asiatischen Lieferanten – insbesondere aus China und Indien – bei aktiven Wirkstoffen, was das Risiko von Versorgungsengpässen weiter verschärft hat.