„Umsteuern für mehr Artenschutz“

Studie zur Biodiversität in der Handelspolitik

Die aktuellen Handelsregeln schaden der biologischen Vielfalt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie mehrerer französischer Forschungsinstitute, die am heutigen Donnerstag, 24. September 2020, im Handelsausschuss des Europäischen Parlaments vorgestellt wird.

„Die EU-Kommission muss umsteuern für mehr Artenschutz. Die neue Studie bestätigt schwarz auf weiß, wovon wir sozialdemokratischen Handelspolitikerinnen und Handelspolitiker schon lange ausgehen. Der internationale Handel hat nach den jetzigen Regeln teils verheerende Folgen für die biologische Vielfalt. Direkte Effekte sind demnach: höhere Emissionen durch vermehrten Transport, das Einführen invasiver Arten, von Krankheitserregern und Schädlingen, sowie die Intensivierung des Handels mit bedrohten und übermäßig ausgebeuteten Arten. Wenn die EU-Kommission den Green Deal ernsthaft verfolgen möchte, muss sie dessen Ziele in ihre Außenhandelsstrategie integrieren.“

Indirekte Effekte des internationalen Handels sind beispielsweise der Verdrängungseffekt bei der Landnutzung. Nach dem Abschluss von Handelsabkommen konzentriert sich die örtliche Landwirtschaft in der Regel darauf, besonders exportfähige Erzeugnisse in Monokulturen anzubauen. Dies geschieht natürlich insbesondere in Ländern, die besonders von den Exporten landwirtschaftlicher Erzeugnisse abhängen - also in Entwicklungsländern. Besonders ins Gewicht fallen diese negativen Effekte in Ländern, die Biodiversität wenig mithilfe einer regulativen und institutionellen Infrastruktur schützen.

„Die EU-Kommission muss in ihre Handelsverträge sanktionierbare Artikel zum Schutz der Biodiversität in Europa integrieren. Sie muss ihren Verhandlungspartnern mindestens eine verbindliche Umsetzung der multilateralen Umweltabkommen abringen. Entwicklungsländern muss die EU-Kommission bei der Überarbeitung ihrer Regulierungen zum Schutz der Biodiversität unter die Arme greifen.“

Hintergrund der Studie von Autorinnen und Autoren aus den Forschungsinstituten CEPII, AgroParisTech und INRAE ist die kürzlich veröffentlichte Biodiversitätsstrategie der EU-Kommission für 2030. Sowohl der Umwelt- als auch der Handelsausschuss werden in den kommenden Monaten einen Bericht beziehungsweise eine Stellungnahme dazu abgeben.