07.07.2026

"Tierwohl und Ernährungssicherheit gemeinsam denken"

EU-Kommission legt Nutztier- und Proteinstrategie vor

Die Europäische Kommission hat ihre Vorschläge für eine europäische Nutztierstrategie sowie eine Proteinstrategie vorgestellt. 

Maria Noichl, agrarpolitische Sprecherin der Europa-SPD im Europäischen Parlament: 
„Unser Billigfleisch kostet Regenwald – und Europas Unabhängigkeit. Millionen Tonnen Soja für die intensive Tierhaltung importieren wir aus Drittstaaten. Damit machen wir uns abhängig und treiben Entwaldung, Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen vor allem in Südamerika weiter an. 

Die Proteinstrategie weist in die richtige Richtung. Sie soll Europas Abhängigkeit von Futtereiweißimporten verringern und unsere Versorgung sichern. Gut ist, dass die Kommission die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick nimmt. Mehr heimische Proteinpflanzen im Tierfutter, Herkunftskennzeichnung und Investitionen in Verarbeitung, Lagerung und alternative Proteine sind wichtige Schritte. Aber wer es mit einer zukunftsfähigen Landwirtschaft ernst meint, muss die Weidehaltung stärken und die industrielle Tierhaltung konsequent umbauen. Gerade im Internationalen Jahr der Weiden 2026 müssen diese Themen noch deutlicher ins Zentrum rücken. 

Die Menschen warten seit Jahren auf ein modernes EU-Tierschutzrecht – die EU-Kommission uss auch ihr Versprechen einlösen und ihre Ankündigungen tatsächlich zeitnah in Gesetzesvorschläge umsetzen. Ob bessere Haltung für Legehennen und Masthühner, der Ausstieg aus Käfigen, tiergerechtere Schweinehaltung oder faire Standards für Importe: Landwirtschaft, Wirtschaft und Verbraucherinnen und Verbraucher brauchen klare Regeln und einen verlässlichen Fahrplan. Nur so schaffen wir Planungssicherheit und faire Wettbewerbsbedingungen. 

Jetzt zählen keine Ankündigungen mehr, sondern Ergebnisse. Landwirtinnen und Landwirte brauchen faire Verträge, eine wirksame Risikoabsicherung und gezielte Unterstützung beim Anbau von Leguminosen und beim Umbau der Tierhaltung. Gleichzeitig muss die EU Investitionen in landwirtschaftliche Betriebe und Genossenschaften ermöglichen. Nur so stärken die beiden Strategien Europas Souveränität, schützen das Klima und schaffen Zukunftsperspektiven für den ländlichen Raum.“