„Kein Schritt vorwärts für besseres Lernen und Weiterbilden“

Kommissionspläne zu Bildungschancen in der EU

Die Europäische Kommission hat heute, Mittwoch, 30. September 2020, zwei lang erwartete bildungspolitische Mitteilungen veröffentlicht, um den Zugang zu qualitativ hochwertiger digitaler Bildung zu verbessern und den Weg zur Schaffung des Europäischen Bildungsraums bis 2025 zu ebnen.

Petra Kammerevert, bildungspolitische Sprecherin der Europa-SPD, kritisiert die Pläne:

„In Sachen Bildung ist die Lage in der EU alles andere als rosig. Neben einem allgegenwärtigen Investitionsstau in Schulen und Universitäten hängt der Bildungserfolg unserer Kinder und Jugendlichen immer noch stark von ihrer Herkunft ab. Es ist zudem inakzeptabel, dass weiterhin über zehn Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss verlassen und über 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler Probleme haben, einfachste Lese-, Mathe- und naturwissenschaftliche Aufgaben zu lösen. Wir müssen die bildungspolitischen Anstrengungen in ganz Europa verstärken und auf eine aktive Rolle der EU drängen.“

„Ich fürchte, dass das von der Kommissionspräsidentin erklärte Ziel, bis 2025 einen europäischen Bildungsraum zu schaffen, auch mit den heute veröffentlichten bildungspolitischen Mitteilungen nicht erreicht werden kann und sie erneut ein wichtiges Versprechen brechen wird. So sollen Arbeits- und Expertengruppen jetzt erst einmal ausloten, welche konkreten Schritte unternommen werden müssen. Zielvorgaben an die Mitgliedstaaten werden auf die lange Bank ins Jahr 2030 geschoben. So werden die dringend notwendigen bildungspolitischen Reformen vermutlich noch lange auf sich warten lassen müssen.“

„Eines der Kernelemente des Europäischen Bildungsraumes soll die automatische Anerkennung von Bildungsabschlüssen sein. In einem grenzenlosen Europa ist es für niemanden begreifbar, dass es immer noch Probleme bei der grenzüberschreitenden Anerkennung von Berufsbildungs- und Studienabschlüssen gibt. Doch auch hier bleibt die Kommission sehr vage und lässt nicht erkennen, dass bald Verbesserungen im Lern- und Arbeitsalltag der Menschen zu erwarten sind.“

„Insbesondere fehlt mir aber ein klares Bekenntnis seitens der Kommission zu Investitionen in Bildung. Auch fehlen klare Vorgaben an die Mitgliedstaaten, wie viel Geld sie in den nächsten Jahren in ihre Bildungssysteme investieren sollten. Auf EU-Ebene sehen wir zudem, dass genau diejenigen Förderprogramme, die bildungspolitische Initiativen unterstützen - nämlich Erasmus-Plus und der Europäische Sozialfonds - im langfristigen Finanzplan nicht die notwendigen Aufstockungen erfahren sollen. Die Verbesserung von Lern- und Weiterbildungschancen für Bürgerinnen und Bürger scheint leider ganz unten auf der Prioritätenliste der Kommission und der Mitgliedstaaten zu stehen.“