Die EU-Kommission soll ihren Vorschlag zur Herkunftskennzeichnung von Fleisch zurückziehen und überarbeiten. Das fordert das Europäische Parlament in seiner am Donnerstag in Straßburg angenommenen Resolution. "Der vorliegende Vorschlag der EU-Kommission ist bei weitem nicht ausreichend. Gerade die Erfahrungen nach dem Pferdefleischskandal zeigen, dass wichtige Maßnahmen fehlen, um eine umfassende Information der Verbraucher zu gewährleisten", so die SPD-Europaabgeordnete und Lebensmittelexpertin Dagmar ROTH-BEHRENDT.
In dem Text, der auf der Lebensmittelinformationsverordnung von 2011 fußt, schlägt die EU-Kommission lediglich eine verpflichtende Kennzeichnung des Landes vor, in dem Schweine, Schafe, Ziegen und Geflügel aufgezogen und geschlachtet wurden. Während der Verhandlungen zur Verordnung im Jahr 2010 hat das Parlament deutlich gemacht, dass die Kennzeichnung neben dem Ort der Zucht und der Schlachtung auch das Geburtsland enthalten muss.
"In der BSE-Krise waren wir uns alle einig, dass eine Kennzeichnung aller drei Orte, vor allem des Geburtslandes, notwendig ist. Was für Rinder gilt, muss auch für andere Tiere gelten!", so Dagmar ROTH-BEHRENDT. "Die Mitgliedsstaaten reagieren eben immer nur auf Skandale. Wären wir etwa mitten im Pferdefleischskandal, würde eine informativere Lebensmittelkennzeichnung wohl direkt umgesetzt", ergänzt Dagmar ROTH-BEHRENDT.
Nach der Abstimmung im Ausschuss hat die überwiegende Mehrzahl der deutschen Konservativen auch im Plenum – wie immer bei Fragen des Verbraucherschutzes – gegen die Resolution gestimmt. "Die Christdemokraten stellen die unzutreffenden, angeblichen Kosten für die Industrie wieder mal über die Informationsinteressen der Verbraucher", schimpft Dagmar ROTH-BEHRENDT.
Auch bei der Festlegung des Ortes der Aufzucht greift die EU-Kommission zu kurz: "Es ist unseriös, auf die Verpackung zu schreiben: 'Zucht in Deutschland', wenn das Huhn nur den letzten Monat seines Lebens in Deutschland verbracht hat", kritisiert Dagmar ROTH-BEHRENDT.
Darüber hinaus habe die Kommission in ihrem Vorschlag Ausnahmen für zerkleinertes Fleisch zugelassen: "Dass bei Hackfleisch eine Kennzeichnung 'EU' oder 'Nicht-EU' ausreichend sein soll, ist völlig inakzeptabel." Dagmar ROTH-BEHRENDT fordert die EU-Kommission auf, die Meinung des Parlaments zu respektieren, auch wenn die Resolution rechtlich nicht bindend ist: "Ich erwarte einen überarbeiteten Vorschlag der EU-Kommission, der unsere Kritik an dem aktuellen Entwurf aufnimmt und den Interessen der Verbraucher nachkommt", so Dagmar ROTH-BEHRENDT.
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