Norbert NEUSER

6.11.2015

Sierra Leone ersehnt sich einen Neustart nach Ebola

Europäische Entwicklungspolitiker kritisieren strukturelle Probleme im Gesundheits- und Bildungssystem

Am Samstag soll Sierra Leone durch die Weltgesundheitsorganisation WHO endlich als "Ebola-frei" erklärt werden. "Die Menschen dort sehnen sich nach dieser Nachricht, weil sie ihnen Hoffnung auf einen Neustart macht", kommentiert der SPD-Europaabgeordnete Norbert Neuser. Der sozialdemokratische Koordinator im Entwicklungsausschuss des Europaparlaments ist gerade von einer viertägigen Erkundungsmission in Sierra Leone zurückgekehrt.

"Ich wünsche den Menschen so sehr, dass sie die Schatten dieser entsetzlichen Katastrophe endlich hinter sich lassen können. Aber das wird nur gelingen, wenn wir Sierra Leone unterstützen. Wir müssen endlich die strukturellen Probleme dieses Landes im Bereich des Gesundheits- und Bildungssystems angehen."

Norbert Neuser hat als Delegationsleiter einer Gruppe von EU-Abgeordneten in Sierra Leone mit Präsident Ernest Bai Koroma sowie mit mehreren Ministern und Projektleitern von Nichtregierungsorganisationen wie Brot für die Welt, Ärzte ohne Grenzen und Emergency gesprochen. Er traf zudem viele Überlebende des Virus in Dörfern, die extrem von Ebola betroffen waren.

"Wir haben von erschütternden Schicksalen erfahren. Kinder, die ihre gesamte Familie haben sterben sehen. Viele Waisenkinder sind stigmatisiert. Sie brauchen dringend gezielte Hilfe. Aber die lässt sich in den krisengebeutelten Regionen kaum realisieren. Auf der anderen Seite haben wir aber auch unglaublich mutige freiwillige Helfer getroffen, die sich unter Lebensgefahr für die Ebola-Kranken eingesetzt haben", berichtet Norbert Neuser.

"Ohne den Einsatz der NGOs wären noch viel mehr Menschen gestorben. Die Helfer haben mit unermüdlichem und für sie selbst lebensgefährlichen Einsatz dafür gesorgt, dass Ebola-Patienten menschenwürdig gepflegt werden und gleichzeitig die Bevölkerung vor weiterer Ansteckung geschützt ist", erklärt Norbert Neuser.

"Das Land braucht im Bereich Gesundheit dringend Hilfe, da die Kinder- und Müttersterblichkeit unglaublich hoch ist. 185 von 1000 Kindern sterben vor Erreichen des 5. Lebensjahres. Die nach monatelanger Schließung wieder geöffneten Schulen sind mit 80 bis 90 Kindern pro Klasse völlig überfordert."

Die hochansteckende Krankheit hatte Sierra Leone, ebenso wie seine Nachbarländer Guinea und Liberia, ins Chaos gestürzt. Dabei wurde vor allem deutlich, dass eine grundlegende Gesundheitsversorgung dort nicht existiert.

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