Norbert NEUSER

4.4.2014

Der Versöhnungsprozess in Ruanda ist beispielhaft

Gerichte arbeiten Völkermord vor 20 Jahren auf

Am 7. April 1994 begann der Völkermord in Ruanda. Er forderte innerhalb weniger Wochen über 800.000 Opfer und war damit einer der schlimmsten Genozide seit dem Zweiten Weltkrieg.

Trotz der bedrückenden Geschichte konnte ein erneutes Aufflammen der Gewalt in Ruanda verhindert werden. Durch traditionelle ruandische Gacaca-Gerichte - einem kollektiven, von den Dorfältesten geleiteten, Verfahren - wurde eine Aufarbeitung der schrecklichen Geschichte möglich. Versöhnung war ausdrücklich das Ziel der innerhalb von zehn Jahren, bis 2012, durchgeführten zehntausenden kollektiven Gacaca-Prozessen.

"Der Versöhnungsprozess in Ruanda ist beispielhaft", erklärt der SPD-Europaabgeordnete und Entwicklungspolitiker Norbert Neuser. "Andere Länder, in denen Gewaltexzesse zwischen Volksgruppen ausbrechen, können davon lernen. Derzeit denke ich dabei vor allem an Zentralafrika und Südsudan, wo nach einem Ende der Gewalt die Versöhnung zwischen den verfeindeten Ethnien wichtig ist. Es ist faktisch unmöglich, in diesen am Boden liegenden Staaten ordentliche Gerichtsverfahren für tausende Täter nach tausenden Gewalt- und Tötungsdelikten durchzuführen. Ohne eine kollektive Aufarbeitung und Versöhnung wird aber kein Land seine Probleme lösen können."

Ruanda zählt, auch dank sehr stabiler politischer Verhältnisse, derzeit zu den afrikanischen Musterländern. So schneidet Ruanda als 32. von 189 untersuchten Ländern im diesjährigen "Ease of Doing Business Report" der Weltbank sehr gut ab.

Innerhalb Deutschlands hat Rheinland-Pfalz seit mehr als 30 Jahren eine Partnerschaft mit Ruanda. An dieser beteiligen sich inzwischen rund 250 Schulen. Das trägt nicht nur zur Unterstützung vieler Entwicklungsprojekte in Ruanda bei, sondern auch zu einem besseren Afrika-Verständnis bei deutschen Schülern.

Weitere Informationen: Büro Neuser +32 2 28 45892 und Jan Rößmann +32 473 864 513 (Pressesprecher)