Die globale Krise und ihre Ursachen

Die globale Krise

Geldgierige Finanzmarktakteure und ein völlig fehlgesteuertes Finanzmarktsystem haben 2007/2008 die größte Wirtschaftskrise seit rund 80 Jahren ausgelöst. Die globale Dominanz neo-liberaler Denkschulen hatte zuvor auch in Europa zu einem Deregulierungswettlauf und einem Rückzug der Politik aus der Wirtschaft geführt - mit verheerenden Folgen. Allein durch Abschreibungen, Wertverluste von Immobilien und den Einbruch der Weltwirtschaft wurden bisher geschätzte 7.300 Milliarden Euro weltweit verbrannt. Das entspricht in etwa dem Dreifachen des deutschen Bruttoinlandsproduktes. Die Wirtschaft in Europa brach um 4 Prozent ein, in Deutschland waren es sogar 5 Prozent. Im Vergleich zu 2007 stieg die globale Arbeitslosigkeit 2009 um 34 Millionen Menschen. In der EU kletterte die Arbeitslosenrate von 7 Prozent (August 2008) auf fast 10 Prozent (Ende 2009). Damit sind 22 Millionen Menschen in Europa ohne Arbeit. Sollte sich die wirtschaftliche Lage nicht entscheidend verbessern, könnte die Zahl der Jobsuchenden in 2011 sogar auf 29 Millionen steigen.

Die Ursachen der Krise

Der Immobilienmarkt in den USA
Die Ursachen der Krise sind global und vielschichtig. Eine zentrale Rolle spielen zweifellos der überhitzte Immobilienmarkt in den USA sowie die weltweite Risikostreuung der damit verbundenen Hypothekarkredite. Diese Entwicklung muss vor dem Hintergrund der Ungleichgewichte im Welthandel gesehen werden. Dem Handelsdefizit in den USA standen Überschüsse in Ländern wie China, Japan und nicht zuletzt Deutschland gegenüber. Letztere suchten renditeträchtige Anlagemöglichkeiten für ihr überschüssiges Kapital. Die global agierenden Investmentbanken der Wall Street wiederum machten ihnen die dafür passenden Angebote in Form neuer Finanzprodukte. Dabei lag ein Schwerpunkt im Immobilienbereich. In Folge verfehlter Lohn- und Steuerpolitiken sowie unzureichender sozialer Wohnungsbauprogramme in den USA war der Kapitalbedarf unterer Einkommensschichten für die Sicherung des Lebensstandards gestiegen. Immer mehr Menschen brauchten immer größere Kredite um sich angesichts boomender Märkte Wohneigentum leisten zu können. So schaukelten sich die Preise stetig nach oben und blähten die Immobilienmärkte in den USA, aber auch in Irland und Spanien auf. Im Sommer 2007 platzte schließlich die US-Immobilienblase. Die Preise fielen in den Keller. Hypotheken wurden nicht mehr bedient. Die Investmentbanken hatten die mit den Hypotheken verbundenen Risken inzwischen jedoch an internationale Investoren weiterverkauft. Daher löste der Immobiliencrash in den USA ein Erdbeben an den globalen Finanzmärkten mit lang anhaltenden und weit reichenden Schockwellen aus. Die meisten Investoren, darunter auch zahlreiche Banken aus Deutschland, wurden von der Entwicklung völlig überrascht. Angesichts hoher Renditen hatten sie äußerst fahrlässig gehandelt und die Risikostruktur ihrer Anlagen gänzlich vernachlässigt. 

Deregulierung und kurzfristiges Profitdenken
Die Deregulierung der Finanzmärkte als Ausdruck der globalen Dominanz marktradikaler Denkschulen hatte die Handlungsfähigkeit der politischen Akteure im Vorfeld der Krise entscheidend geschwächt. Das Ergebnis war eine mangelnde Durchsetzung des öffentlichen Interesses gegenüber privater Spekulation. In Europa führte diese Entwicklung zu zahlreichen regulatorischen Lücken, etwa bei der grenzüberschreitenden Aufsicht, bei der Ausstattung von Banken mit risikogerechtem Eigenkapital sowie bei der  Überwachung von Hedge Fonds, privaten Kapitalbeteiligungsgesellschaften (Private Equity) und Ratingagenturen. Gleichzeitig wurde eine bessere Koordination der europäischen Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik über Jahre hinweg von neo-liberalen Kräften blockiert. Die Finanzwirtschaft konnte sich so immer weiter von der  Realwirtschaft abkoppeln. Im Vergleich zu Finanztransaktionen, die in direktem Zusammenhang mit dem Handel von Gütern und Dienstleistungen stehen, stieg die Zahl spekulativer Transaktionen weltweit auf das 70fache. Die Finanzmärkte gerieten aus den Fugen. Gleichzeitig musste das langfristige Wohl eines Unternehmens als Grundlage unternehmerischer Entscheidungen immer häufiger kurzfristigem Profitdenken weichen. Dies manifestierte sich nicht zuletzt in den ausufernden Bonussystemen der Führungskräfte.

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